Die Zukunft beginnt in Hyllie

Sustainable City – so sieht sie aus

Früher pfiff uns der raue Ostseewind um die Nase, wenn wir die Fähre von Dänemark nach Schweden nahmen – heute sitzen wir entspannt im Regionalzug, der uns in weniger als dreißig Minuten vom Flughafen Kopenhagen in die größte Stadt Südschwedens, nach Malmö, bringt. Der Bau der Öresundbrücke machts möglich.

Noch bevor wir den Bahnhof erreichen, sehen wir aus der Ferne den Wasserturm von Hyllie, ein futuristischer Pilz wie aus einem Cyberpunkstreifen. Dieser Stadtteil Malmös ist auch unser Ziel, denn Hyllie gilt als eines der führenden, europäischen Vorzeigeprojekte in puncto Nachhaltigkeit.

Hyllie
Futuristisch: Der Wasserturm in Hyllie.

Alle reden von Sustainable oder Smart Cities, von Prosumern, Grids und Smart Metern – ein Schlagwort des modernen Citylebens jagt das andere. Meist beschreiben diese wolkigen Begriffe künftige Entwicklungen oder abstrakte Wunschvorstellungen. In Hyllie ist das anders: Hier hat die Zukunft der Energieversorgung mitten in der Stadt bereits begonnen.

Scalable. Das geht auch bei Dir.

Um es vorwegzunehmen: Nachdem wir zwei Tage mit unserem Kollegen Peder Berne, dem Projektleiter von E.ON Sverige, verbrachten, bekamen wir eine konkretere Vorstellung davon, wie die Smart City der Zukunft auch bei uns aussehen könnte. Denn eine Vorgabe des Projektes lautete von Anfang an, dass das Projekt „scalable“ sein muss, also als Blaupause auch auf andere Städte übertragbar sein sollte.

Der Startschuss fiel im Jahr 2011, als die drei Projektpartner E.ON, VA SYD – der lokale Versorger für Wasser, Abwasser und Müllentsorgung – und die Stadt Malmö einen Klimavertrag unterzeichneten. Dieser schrieb fest, dass Hyllie bis zum 2020 komplett aus erneuerbaren oder recycelten Energien versorgt werden sollte, was in diesem Fall ausdrücklich auch Energie aus organischen Abfällen einschloss.

Das Projekt fußt auf drei Säulen:

  • Smarte und effiziente Energieerzeugung
  • Integrierte Mobilitätskonzepte
  • Aktive Bewohner, Konsumenten, Prosumer
  • Hyllie Peder Berne
    Peder Berne, Projektleiter bei E.ON Sverige/ Project leader at E.ON Sverige

Energie. Mobilität. Biomüll.

Seitdem hat sich in hohem Tempo viel verändert. Der früher als schwierig geltende Stadtteil wurde durch moderne, integrierte Energie-, Mobilitäts- und Abfallkonzepte aufgewertet und gilt heute als gutes Wohnquartier insbesondere für junge Familien. Wie wirken sich diese Konzepte im Alltag der Bewohner aus? Wir haben es uns angesehen: Von kleinen, smarten Einfamilienhäusern bis zu großen, effizient bewirtschafteten Wohneinheiten.

Wir besichtigen Photovoltaikanlagen auf ansonsten begrünten Dächern, smarte Hausgeräte in den Wohnungen und ausgefuchste Speicher- und Wärmesysteme in den Kellern. Die integrierten Systeme reagieren unmittelbar auf das Wetter, speisen beispielsweise bei starker Sonneneinstrahlung Energie in die Speicher ein und holen sie bei Bedarf wieder heraus. Die Verwertung organischen Abfalls ist Pflichtprogramm: In den Küchen befindet sich ein Häcksler, der Speisereste zerkleinert und direkt zu einer Sammelanlage führt, wo der Biomüll in Energie umgewandelt wird.

Die Bewohner können über Apps ihren Energieverbrauch steuern und beispielsweise ihre Waschmaschinen genau dann laufen lassen, wenn der Strompreis besonders niedrig ist. Jeder Bewohner hat grundsätzlich Zugang zu einem Carsharing Pool, was dazu führt, dass nur wenige ein eigenes Auto besitzen. Dabei handelt es sich oft um ein E-Car, weshalb wir überall in Hyllie Ladesäulen mit E.ON Logo entdecken.

Pflicht und Kür: Vertrauen und Integration.

Die Mieter sind zufrieden, weil sie Autarkie und Autonomie darüber besitzen, wann sie was wie nutzen wollen – noch fröhlichere Gesichter machen die Vermieter, weil die integrierten Systeme Kosten sparen.

Bei einem leckeren Blaubeerkuchen in Peders von E.ON gebautem, smarten Einfamilienhaus fragen wir ihn, was für ihn das Erfolgsgeheimnis von Hyllie darstellt. Er überlegt kurz und zählt die wichtigsten Faktoren auf: „Gute Partnerschaft. Eine pro-aktive Stadt. Vertrauen. Ein offener Dialog. Integration aller Systeme.“

Wir nehmen die Buzzwords „Vertrauen und Integration“ mit auf die Rückreise gen Kopenhagen. Auf der langen Brücke über den Öresund sehen wir in der Ferne den pilzförmigen Wasserturm von Hyllie immer kleiner werden. Im selben Moment erreicht uns eine SMS von Kollege Alex, der die letzten beiden Tage in München verbrachte. Auf dem Gelände des sogenannten Werksviertels entsteht mit E.ONs Unterstützung eine kleine Smart City. Er wirkt begeistert. Wir zucken lässig die Schultern.

Hyllie Ladies
Nachhaltigkeit kann Spaß machen.

Fotos: E.ON, Christian Andersson, Perry Nordeng

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