Ein Match nach drei Monaten

„Alle 15 Minuten erkrankt in Deutschland ein Mensch an Blutkrebs, darunter viele Kinder und Jugendliche“ heißt es in einer Pressemitteilung der Deutschen Knochenmarkspende (DKMS).Mit einer konzernweiten Aktionswoche unterstützt E.ON die DKMS. In Deutschland findet am Donnerstag, den 9. März ein Tag statt, an dem sich auch die E.ON Mitarbeiter an den großen Unternehmensstandorten typisieren lassen können. Wir organisieren dies an 15 Standorten in Deutschland und bei Unternehmen von E.ON in acht Ländern –  Großbritannien, Deutschland, Italien, Rumänien, Slowakei, Tschechien, Ungarn und Vereinigte Staaten. Wir erzählen, was unsere Kollegen erlebt haben. Hier ist die Geschichte von Philip Grimm.

„Eigentlich wollte ich mich nicht registrieren lassen, ich war beruflich ziemlich eingespannt und hatte für andere Dinge gerade keinen Kopf. Und warum sollte ich genau der Richtige für jemanden sein? Und warum jetzt? Aber ein Kollege konnte mich dann doch überzeugen, mitzumachen.

 

Philip Grimm
Philip Grimm

„Du kommst jetzt einfach mit, geht doch schnell“, meinte Hans-Günther. Hätte er mich nicht überredet, wäre ich wahrscheinlich auch heute noch nicht registriert – und es hätte wohl auch keinen perfekten Treffer gegeben.

Nach der Anmeldung ging es dann recht schnell. Nach drei Monaten klingelt das Telefon. Am anderen Ende der Leitung eine Stimme, die mir verrät, dass ich der Richtige für jemanden bin – der eine aus 27 Millionen Registrierten. Die genauen Infos zu ihm habe ich kurze Zeit später bekommen: Er ist 25, kommt aus Slowenien und hat Blutkrebs.

Ich musste nicht lange überlegen. Schon während des Telefonats hatte ich die Entscheidung gefällt, meine Stammzellen zu spenden. Davon hängt schließlich das Leben eines jungen Mannes ab. Die Wahrscheinlichkeit, dass für ihn noch jemand anderes in Frage kommt, geht auch gegen Null. Für mich war sofort  klar, dass ich spende. Bisher hatte ich noch keine Berührungspunkte mit dem Thema Blutkrebs im Freundes- und Bekanntenkreis. Aber als Ersthelfer im Unternehmen gehe ich regelmäßig zum Blutspenden und war so zumindest etwas mit dem Thema vertraut.

Die Untersuchung und die Stammzellenentnahme fanden dann in Dresden Mitte Juni 2012 statt. Man hat sich sehr um mich gekümmert, sich Zeit für meine Fragen genommen und mir das Gefühl gegeben, dass es auch mir als Spender gut geht soll. Ich gehörte zu den 80 Prozent der Spender, bei denen eine periphere Stammzellenentnahme ausreichte. Nur 20 Prozent der Spender müssen ihr Knochenmark aus dem Beckenkamm entnehmen lassen. Die periphere Stammzellenentnahme dauert etwas länger, ist dafür aber kein Eingriff unter Narkose. Eine Woche im Voraus muss man sich mehrmals ein Mittel spritzen, dass das Immunsystem anregt, die Stammzellen vermehrt im Körper auszuschütten. Danach  können die Stammzellen aus dem Blut gewaschen werden. Man wird dafür an eine Blutwäsche-Maschine angeschlossen und die Stammzellen werden separiert. Vier bis fünf Stunden dauert der ganze Vorgang und das einzige was daran weh tut, war mein Hinterteil, weil ich mich nur begrenzt bewegen durfte. Wenn man nach den fünf Stunden wieder aufsteht, hat man etwas wackelige Beine, ich musste mich noch ein bis zwei Stunden ausruhen. Aber dann war ich wieder fit.

Über den Empfänger meiner Spende habe ich leider wenig erfahren. Ich konnte auch keinen Kontakt mit ihm aufnehmen, da die Landesgesetze in Slowenien keinen weiteren Informationsaustausch zwischen Spender und Empfänger zulassen. Wie es meinem Empfänger heute geht, weiß ich also leider nicht, ich hoffe natürlich, dass er den Blutkrebs besiegen konnte. Insgesamt ist das schon eine verrückte Sache. Der Empfänger hat hinterher dieselbe Blutgruppe wie der Spender, und auch die Organe sind hinterher kompatibel zum Spender, er hätte sich dann vielleicht zukünftig mit einem Organ bei mir revanchieren können. Das ist natürlich nur ein Spaß, aber es würde funktionieren.

Es kann so einfach sein, anderen das Leben zu retten. Man muss nur eines: Sich finden lassen!

Philip Grimm ist 43 Jahre alt, privater Pilot und arbeitet bei E.ON Energie Kundenservice in Bayreuth.

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